Design Thinking – alter Hut oder neuer Trend?

 

Habt ihr schon einmal von Design Thinking gehört? In den letzten Jahren hat der Begriff immer wieder seine Runden gezogen. Manche bezeichnen ihn als abgekupferten Prozess, andere wiederum als neuen und innovativen Trend. Worum es beim Design Thinking wirklich geht, worauf ihr achten müsst und warum Design Thinking kein Prozess ist sondern eine Denkweise, lest ihr hier.

Was ist Design Thinking?

Wer denkt, Design Thinking ist nur etwas für kreative Menschen, irrt sich. Denn Design Thinking ist für jede und jeden geeignet die bzw. der etwas Neues ausprobieren und von starren Strukturen und Prozessen abweichen möchte.

Das Wort „Design“ führt in vielen Fällen fälschlicherweise zu der Annahme, dass sich dieses Konzept rein mit der Gestaltung und Ästhetik von Produkten und der gleichen beschäftigt. Diesen Irrtum möchte ich hier gleich mal aus dem Weg schaffen. Design Thinking ist ein Innovationsansatz der den Menschen und dessen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Die grundlegende Idee dahinter ist es, mit Hilfe von unterschiedlichen Methoden und Kreativitätstechniken Probleme zu lösen und neue Ideen zu generieren. Studien haben gezeigt, dass Designer die Welt von einer anderen Perspektive aus betrachten. Sie definieren im ersten Schritt das eigentliche Problem, bevor sie sich daran machen, eine Lösung zu finden. Design Thinking setzt bei dieser Denkweise an und nutzt sie, um Innovationen entstehen zu lassen.

Doch keine Angst. Ihr müsst nicht zu den künstlerisch Begabten oder kreativen Köpfen gehören, um mit diesem Ansatz Erfolg zu haben. Wichtig ist, dass ihr euch auf die neue Denkweise einlässt, auch wenn sie euch in manchen Fällen vielleicht etwas unkonventionell erscheint. Design Thinking hilft euch sozusagen euer Gehirn etwas aufzulockern. Durch die unterschiedlichen Methoden wird euer kreatives Potential hervorgeholt, mag es noch so gut versteckt sein.

Warum Design Thinking?

Design Thinking findet seinen Ursprung in den 1990er Jahren an der Stanford University. Dort wurde es von David Kelley, Terry Winograd und Larry Leifer ins Leben gerufen. Der Denkansatz entwickelte sich aus dem Industrie-Design und beruht auf dem Konzept zur kreativen Problemlösung. Als User-Centered-Concept baut der Ansatz auf vielen unterschiedliche Meinungen, Perspektiven und Erfahrungen auf. Er zielt darauf ab, Innovationen hervorzubringen und ist dahingehend auf die Bedürfnisse der Nutzer ausgerichtet.

Als Design Thinker wechselt ihr somit in die Rolle des Users und versucht das vorhandene Problem aus dessen Blickwinkel zu betrachten. Gerade für Unternehmen ist es wesentlich zu wissen, was Kunden wollen, woran sie interessiert sind und welche Anforderungen sie haben. Um Probleme lösen zu können, müsst ihr daher die richtigen Fragen stellen. Lernt eure Kunden kennen. Lernt deren Probleme zu verstehen. Versucht euch in eure Nutzer hineinzuversetzen.

Mit Hilfe von klassischen Marktforschungsmethoden wie Interviews und Befragungen könnte ihr bereits vieles über eure User in Erfahrung bringen. Beispielsweise könnt ihr deren Bedürfnisse und Frustrationsgründe identifizieren und erste Probleme skizzieren. Dennoch fällt es oftmals schwer die Hintergründe der Probleme tiefgehend zu verstehen und konkrete Lösungen zu entwickeln. Genau hier setzt Design Thinking an. Der Ansatz hilft euch dabei, neue Perspektiven einzunehmen und aus veralteten Strukturen auszubrechen. Es geht darum experimentell und dennoch gezielt an Lösungen zu arbeiten und Innovationen zu entwickeln. Richtig angewandt, bietet euch der Ansatz ein Tool mit dem ihr euren Kunden optimale Ideen aufzeigen und eurer Konkurrenz so richtig einheizen könnt.

Die magischen Drei – Was Technologie, Wirtschaft und Mensch verbindet

Wie bereits erwähnt, stellt die menschliche Perspektive im Design Thinking den Ausgangspunkt aller Innovationen und Lösungen dar. Der Ansatz fordert eine stetige Rückkopplung zwischen euer Zielgruppe, einer adäquaten Lösung und euch bzw. eurem Team. Eure Aufgabe ist es hierbei, dem Endnutzer die richtigen Fragen zu stellen, seine Hintergründe und Verhaltensweisen in Erfahrung zu bringen und Abläufe genau unter die Lupe zu nehmen.

Der Design Thinking Ansatz vereint dabei drei wesentliche Komponenten:

  • Technologie – Machbarkeit
  • Wirtschaft – Tragfähigkeit
  • Mensch – Attraktivität

Die magischen Drei

Aus der Schnittmenge dieser Komponenten entstehen Innovationen, die sowohl attraktiv und realisierbar als auch marktfähig sind. Während des Prozesses solltet ihr alle drei Komponenten gleichberechtigt behandeln, nur dann könnt ihr Lösungen finden, die für euch und eure Zielgruppe angemessen sind.

Denkt daran: Der Design Thinking Ansatz ist human-centered. Das heißt, ihr solltet euch immer an eurer Zielgruppe orientieren. Grundlage des gesamten Prozesses sind die gewonnen Erkenntnisse aus den Beobachtungen, Befragungen und Zielgruppenforschungen.

Voraussetzungen für erfolgreiches Design Thinking

Der Erfolg des Design Thinking Ansatzes wird von einer gemeinschaftlichen Arbeits-, Innovations- und Denkkultur geprägt und beruht auf drei zentralen Elementen:

  • Multidisziplinäre Teams
  • Variable Räume
  • Design Thinking Prozess

Multidisziplinäre Teams sind das A und O für Design Thinking. Durch den disziplin-, abteilungs- oder hierarchieübergreifenden Erfahrungsaustausch, werden unterschiedliche Blickwinkel zugelassen. Es entsteht ein breiteres Wissen. Somit ist es möglich, die Probleme und Bedürfnisse der Kunden aus unterschiedlichsten Perspektiven zu betrachten und neue Ideen zu generieren.

Neben der Auswahl der Teammitglieder spielt auch die Raumgestaltung eine wichtige Rolle im Kreativprozess. Um dem schöpferischen Potenzial völligen Freiraum zu gewährleisten, benötigt ihr optimale Gegebenheiten. Dazu gehören ausreichend Platz für Whiteboards, Pinnwände und Präsentationsflächen, flexible Möbel und Trennwende sowie unterschiedlichste Arbeitsmaterialen. Was die Materialen betrifft könnt ihr kreativ sein. Von Post-Its, Blöcken und Stiften, über Scheren, Kleber und Buntpapier bis hin zu Legosteinen, Klopapierrollen und Stoffen könnt ihr alles verwenden.

Was jetzt noch fehlt, ist der Ablauf selbst. Das Modell des Design Thinking stellt einen iterativen und agilen Prozess dar. Es dient somit vorwiegend als Orientierungshilfe und soll keine starre Aneinanderreihung von Methoden darstellen. Ihr könnt daher die Methoden nach Belieben variieren und in den jeweiligen Phasen vor- und zurück zuspringen.

Wie der Prozess des Design Thinking aussieht und wie er funktioniert habe ich für euch im Artikel “Design Thinking step by step oder wie Post-Its Problem lösen” zusammengefasst.

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