Design Thinking step by step oder wie Post-Its Probleme lösen

 

Ja, ihr habt richtig gelesen. Post-Its können Probleme lösen. Zwar können sie nicht alle eure Probleme lösen und wahrscheinlich auch nicht von heute auf morgen. Doch gibt es Ansätze die es möglich machen. Unter anderem können sie euch helfen, eure Prozesse zu verbessern, Innovationen zu entwickeln und auf die Bedürfnisse eure Kunden einzugehen. Glaubt ihr nicht? Dann lest selbst.

Der Design Thinking-Prozess

Anders als viele vielleicht denken, ist Design Thinking kein Prozess per se. Es ist vielmehr eine Denkweise, die den Menschen und dessen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Ihr werdet schnell erkennen, dass sich der Design Thinking Ansatz teilweise auch unkonventionelleren Methoden bedient. Doch erst diese Zugänge machen es möglich, aus alten und starren Strukturen auszubrechen. Sie fördern die kollaborative Kreativität und schaffen somit neue Ideen.

Der Design Thinking Ansatz besteht aus sechs Phasen die aufeinander aufgebaut sind. Dennoch könnt ihr zwischen den einzelnen Steps vor- und zurück springen oder Methoden kombinieren. Genau genommen ist dies sogar gewünscht. Was das Ganze nun mit Post-Its zu tun hat? Nun, das verrate ich euch gleich.

Vom Problem zur Innovation

Design Thinking Prozess

  1. Verstehen

In der ersten Phase des Design Thinking versucht ihr den Kontext zu verstehen. Hier werdet ihr zu Experten der bestehenden Probleme. Versucht die Zusammenhänge zu erkennen. Wo liegen die Bedürfnisse und Anforderungen eurer Kunden? Wie wird aktuell an diese Probleme herangegangen? Wie könnte man den Kunden helfen? etc. In dieser Phase steckt ihr mit eurem Team das Problemfeld ab, leitet entsprechende Recherchemaßnahmen ein und baut ein Verständnis für das tatsächliche Problem auf.

  1. Beobachten

Im nächsten Schritt geht es darum die Nutzer zu Beobachten. Achtung: Beobachten – nicht Stalken. Mit Hilfe von Interviews, Befragungen, Empathie Maps und vielen anderen Methoden könnt ihr eure Nutzer besser kennen lernen. Ziel ist es, dass ihr euch in eure Zielgruppe hineinversetzen könnten. Dass ihr Empathie für sie aufbaut und vor allem, dass ihr eure Nutzer und deren Probleme versteht. Wichtig ist es dabei die eigenen Räumlichkeiten zu verlassen. Sprecht mit Personen außerhalb des Unternehmens. Beispielsweise mit Passanten auf der Straße. Versucht in den Lebensalltag eurer Zielgruppe einzutauchen und dokumentiert eure Erfragungen.

  1. Sichtweisen definieren

Die bisher gewonnenen Erfahrungen fasst ihr anschließend in dieser Phase zusammen. Dazu tauscht ihr euch im Team aus und erzählt, zum Beispiel mit Hilfe von Storytelling, welche Erkenntnisse und Erfahrungen ihr gemacht habt. Die vorhandenen Informationen betrachtet ihr danach aus unterschiedlichen Perspektiven (disziplin-, abteilungs- oder hierarchieübergreifend). Dadurch ergeben sich erste Muster, welche das Problem und im besten Fall mögliche Lösungen abbilden.

Mit Hilfe von Visualisierungen, Abstraktionen, Skizzen, etc. könnt ihr das vorhandene Wissen entsprechend abbilden. Die Verwendung von Visualisierungen ist hierbei wesentlich, da ihr die verfügbaren Informationen somit kommunizierbar macht.

Auf Basis eurer Diskussionen und der identifizierten Muster erstellt ihr anschließend einen prototypischen Nutzer (Persona). Dieser sollte eure Zielgruppe bestmöglich repräsentiert und deren Bedürfnisse klar hervorheben.

  1. Ideen generieren

Nun erfolgt die Ideengenerierung. Hier gilt Quantität vor Qualität. Je mehr Ideen gesammelt und entwickelt werden, desto besser. Kritik ist in dieser Phase nicht erwünscht. An dieser Stelle im Prozess könnt ihr mehr oder weniger tun und lassen was ihr wollt. Es geht darum etwas Neues auszuprobieren. Seit neugierig, kreativ und fantasievoll. Hierbei könnt ihr auf ein umfassendes Repertoire an Kreativitätstechniken zurückgreifen. Auch wenn es euch zu Beginn etwas komisch vorkommt. Lasst euch auf die unterschiedlichen Methoden und Techniken ein. Je lockerer das Team wird, desto einfallsreicher werden die Ideen. Also – habt Spaß und seit auch mal etwas verrückt.

Habt ihr genügend Ideen gesammelt, werden diese in einem nächsten Schritt strukturiert und analysiert. Ihr beginnt damit gleiche oder ähnliche Ideen zu clustern. Dabei könnt ihr euch an eurer Persona orientieren. Zudem solltet ihr darauf achten, dass die entwickelten Ideen technologisch umsetzbar, wirtschaftlich sinnvoll und für Menschen bzw. eure Persona attraktiv sind. Am Ende dieser Phase entwickelt ihr gemeinsam ein Lösungskonzept.

  1. Prototypen entwickeln

Das anschließende Protoyping gibt euch die Möglichkeit eure Ideen zu konkretisieren und Lösungen zu entwickeln. In dieser Phase geht es sozusagen ans handwerkliche Tun. Die zuvor generierten Ideen werden weiterentwickelt und Prototypen werden erstellt. Diese Prototypen können unterschiedliche Formen annehmen. Beispielsweise könnt ihr Rollenspiele durchführen, Storytelling betreiben oder erste Modelle entwickeln. Ihr könnt dabei auf alle Materialen zurückgreifen, die euch zur Verfügung stehen.

Die Prototypen helfen euch, eure Ideen weiterzuentwickeln und ein Gefühl dazu zu bekommen, wie das Produkt aussehen könnte. Es geht darum, die Ideen zu verstehen und entsprechend der Bedürfnisse eurer Nutzer weiterzuentwickeln.

  1. Testen

In der finalen Phase geht es darum, eure Prototypen mit der Zielgruppe zu testen. Das Feedback der Nutzer gibt euch neue Anhaltspunkte, um den Prototypen Schritt für Schritt weiterzuentwickeln und zu optimieren. In manchen Fällen kommt es auch vor, dass ein Prototyp zur Gänze verworfen und mit einer neuen Idee gestartet werden muss. Lasst euch in solchen Situationen nicht entmutigen. Löst eine Idee bei der Zielgruppe nicht die gewünschte Reaktion aus, ist dies kein Grund um aufzugeben. Haltet euch in solchen Fällen nicht zu lang mit aussichtslosen Ideen auf. Nehmt diese Erfahrungen mit in die nächste Runde, den aus dem Feedback der Nutzer, egal ob positiv oder negativ, könnt ihr vieles lernen.

Und um nochmals auf die Frage mit den Post-Its und dem Problem lösen zurück zu kommen. Post-Its sind im Design Thinking unabdingbar. Auf ihnen könnt ihr Ideen, Konzepte oder Aussagen ganz einfach sammeln. Ihr könnt sie unterschiedlich clustern, umstrukturieren oder einfach wegschmeißen. Außerdem könnt ihr sie überall hin kleben, so dass ihr sie ständig im Blickfeld habt. Das Ganze hilft euch dabei, eurer Lösung näher zu kommen und unterschiedliche Blickwinkel darauf werfen zu können. Ihr seht also: Post-Its können tatsächlich Probleme lösen oder zumindest dabei helfen.

Leave a Reply